Deutsche Schulklassiker

Deutsche Schulklassiker

Die Idee einer Lektüreliste, die in der Schule gelesen werden muss, ist eine deutsche Idee aus dem 18. Jahrhundert. Ziel ist, aus den Klassikern der Literatur die universalen Weisheiten für das Menschengeschlecht mithilfe des Gebrauchs der Vernunft herauszufiltern und in eigene Worte fassen zu können beziehungsweise auf das eigene Leben anzuwenden.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wird der Kanon für Neues geöffnet und auf die Frage nach kultureller Relevanz ausgerichtet. Jedoch wird die Frage, was ein Schüler gelesen haben muss, immer schwieriger zu beantworten, da die Menge an potenziellen Werken immer länger wird.

Gotthold Ephraim Lessing

Lessing, der als Begründer des sogenannten „bürgerlichen Dramas“ gilt, hat zwei berühmte Dramen verfasst, die es in die Liste der deutschen Schulklassiker geschafft haben: Emilia Galotti (1772) und Nathan der Weise (1779).

Während es in dem Trauerspiel Emilia Galotti um die Konfrontation von adeligen und bürgerlichen Werten geht, ist Nathan der Weise ein Stück über die Tugend der Toleranz.

Friedrich Schiller

Die Schulklassiker, die aus der Feder von Friedrich Schiller stammen, sind Die Räuber (1782), Kabale und Liebe (1784) und Wilhelm Tell (1804).

In Die Räuber geht es um einen Konflikt zwischen zwei Brüdern, zwei Genrationen und zwei Weltbildern. Das Drama ist in die Epoche des Sturm und Drangs einzuordnen.

Kabale und Liebe hingegen handelt von einer unglücklichen Liebe eines Paares unterschiedlicher Standeszugehörigkeit und wird unter den bürgerlichen Trauerspielen eingeordnet.

Und Wilhelm Tell ist ein Drama über den Freiheitskampf.

Heinrich von Kleist

Kleist bereicherte die Literatur um eine ihrer besten Komödien: Der zerbrochene Krug (1806) handelt von einem Streitfall vor Gericht, der durch einen zerbrochenen Krug ausgelöst wurde. Es thematisiert die Korruption des Rechtssystems.

Ein weiteres Werk Kleists ist Michael Kohlhaas (1808), das die Auflehnung des Pferdehändlers Hans Kohlhaas gegen die Obrigkeit beschreibt. Nachdem er einen Rechtsstreit um zwei Pferde verliert, zündet er die Stadt Wittenberg an und wird dafür mit dem Tode bestraft.

Georg Büchner

Im Jahre 1835 erschien Dantons Tod, der von den letzten zwei Wochen vor der Hinrichtung des Protagonisten Georges Jacques Danton, ein Führer der französischen Revolution, handelt. Danton steht für die ernüchternde Einsicht der Belanglosigkeit des eigenen Handelns.

Das Motiv der Liebe in der deutschen Literatur

Das Motiv der Liebe in der deutschen Literatur

Die Liebe ist ein sich immer an den Zeitgeist anpassendes, wandelndes Motiv, das sich besonders gut anhand der veröffentlichten Literatur verfolgen und interpretieren lässt. Von der Idee, dass Liebe ein Ideal ist, das nie erreicht, sondern nur angestrebt werden kann, über die Liebe als Krankheit, die geheilt werden oder an der man zugrunde gehen muss, bis hin zum Modell der romantischen Liebe, die sich heutzutage des größten Zuspruchs erfreut, kann das Motiv der Liebe jede mögliche Form annehmen und entsprechend neu interpretiert werden.

Gottfried von Straßburg: Tristan

Tristan und Isolde sind das wohl bekannteste Liebespaar einer europäischen Legende, die ursprünglich mündlich überliefert wurde und im 12. und 13. Jahrhundert von dem Minnesänger Gottfried von Straßburg handschriftlich festgehalten wurde. Versehentlich trinken die beiden Protagonisten von einem Liebestrank und sind damit für immer aneinandergebunden.

Johann Wolfgang von Goethe: Die Wahlverwandtschaften

Der Titel des Romans ist aus der Chemie entlehnt und bezeichnete den Wechsel der Anziehung zweier Substanzen unter Zugabe einer dritten, die eine stärke Verwandtschaft zu einer der Substanzen aufweist. Dieses Modell übertrug Goethe auf die Liebesbeziehungen seiner vier Romanfiguren Eduard, Charlotte, dem Hauptmann und Ottilie. Dabei wird die Anziehungskraft der Liebe zwischen den Polen der Ehe und der natürlichen Leidenschaften illustriert und endet mit dem Selbstmord Ottilies.

Charlotte Roche: Feuchtgebiete

In diesem 2008 erschienenen Roman skizziert Roche den Umgang mit Liebe und Tabus anhand ihrer Protagonistin Helen Memel. Der Roman provozierte und begeisterte zugleich. Es wurden mehr als 400.000 Exemplare in vier Wochen verkauft.

Helen liegt aufgrund einer Hämorridenoperation im Krankenhaus und langweilt sich. Diese Langeweile führt zu inneren Monologen über Intimbereiche, Ausscheidungen und Flüssigkeiten des weiblichen Körpers. Gleichzeitig wird von einer Liebesgeschichte erzählt, bei der es um die Frage, wie in einer zunehmend unsicheren Gegenwart die Idee der romantischen Liebe noch Bestand haben kann, geht.

Schriftsteller mit Hang zum Glücksspiel

Schriftsteller mit Hang zum Glücksspiel

Zwischen Genie und Wahnsinn liegt ein schmaler Grat. Dies trifft auch auf geniale Schriftsteller zu, denn sie haben meist genauso ihre Laster und Probleme wie normale Menschen auch. Aus diesem Grund sollte man das Glücksspiel nicht nur als pure Sucht verteufeln, sondern es als Quelle für Inspiration oder zumindest als kreativen Zeitvertreib während einer Schreibpause betrachten. In diesem Artikel werden zwei Schriftsteller vorgestellt, von denen es kein Geheimnis ist, dass sie gerne ihr Glück im Casino oder bei anderen Spielen auf die Probe gestellt haben.

Gotthold Ephraim Lessing

Lessing lebte von 1729 bis 1781 und ist einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Aufklärung. Als er im Alter von 32 Jahren der Sekretär des preußischen Generals Tauentzien geworden war, begann er über den Zufall nachzudenken. Viel Freizeit, ein geregeltes Einkommen und akute Langweile führten letztendlich dazu, dass er sich immer öfter und leidenschaftlicher des Spiels hingab. Auch der Briefwechsel mit Eva König gibt Aufschluss über seine Spielsucht und lässt darauf schließen, dass auch Genies eigentlich nur Menschen sind.

Es ist unverkennbar, dass die Spielsucht Lessing nicht zugrunde richtete, sondern ihn beflügelte und unterhielt. Wenn auch Sie Ihr Glück bei Sportwetten oder im Casino versuchen wollen, denken Sie an Lessing oder Dostojewski, vielleicht wird dann aus Ihnen der nächste unsterbliche Schriftsteller des 21. Jahrhunderts?

Fjodor Dostojewski

Ein weiterer Schriftsteller, der als spielsüchtig bezeichnet werden kann, ist Fjodor Dostojewski. Sein Roman Der Spieler handelt von den Roulette-Erlebnissen, die der Autor in Wiesbaden und Baden-Baden gesammelt hat. Er war ein Sozialist und sollte im Dezember 1849 im Alter von 28 Jahren auf dem Paradeplatz der Semjonowski-Garde hingerichtet werden. Das Todesurteil wurde glücklicherweise in Zwangsarbeit und Festungshaft umgewandelt.

Die ästhetische Moderne in der deutschen Literatur

Die ästhetische Moderne in der deutschen Literatur

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verändert sich die Welt in schwindelerregender Geschwindigkeit und beinahe alle bestehenden Regeln und Konventionen werden infrage gestellt. Die Veränderungen umfassen alle Bereiche, von der Technologie über die Kultur bis hin zur Beziehung der Menschen untereinander. Die Erfindung des Autos, des Telefons und des Flugzeugs sind in diese Zeit einzuordnen. Um die damit einhergehenden Veränderungen auf die Menschen und deren Reaktionen darauf, die sich anhand Literatur veranschaulichen lassen, soll es in folgendem Artikel gehen.

Die Moderne äußert sich im Chaos und einem rasanten Anstieg der Geschwindigkeit des Lebens. Dies führt zu einer Orientierungslosigkeit, in der es für den modernen Menschen im Außen keinen Halt mehr gibt, sodass er sich, von der Gewaltigkeit der Veränderungen in seiner Umwelt zurückgeworfen, auf sich selbst konzentrieren muss, um nicht in der Anonymität der Masse unterzugehen.

Die Werke und Autoren der ästhetischen Moderne

Zu den wichtigsten Werken der literarischen Moderne zählt das 1922 veröffentlichte Gedicht „Das wüste Land“ von Thomas Stearns Eliot. Es ist äußerst kompliziert geschrieben und beinhaltet einen pessimistischen Blick auf die umwälzenden Veränderungen in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Des Weiteren ist in diesem Zusammenhang Thomas Manns „Zauberberg“ zu nennen, der das Ende der bürgerlichen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg und das Verschwinden des bürgerlichen Subjekts thematisiert.

Ein erst zwanzig Jahre nach seinem Tod entdeckter Autor, der ebenfalls die Literatur der ästhetischen Moderne maßgeblich prägte, war Franz Kafka. Sein Roman mit dem Titel „Der Prozess“ schildert einen Protagonisten, K., der mit jedem Versuch, die moderne Bürokratie zu verstehen, scheitert und damit die Hoffnungs- und Aussichtslosigkeit des modernen Menschen illustriert.

Weitere wichtige Werke sind Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett und Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“.